Hunde-ABC: Begriffe rund um Hunde

Eine Sammlung von Worten nicht nur direkt um Hunde

Erfahrungsentzug



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Erfahrungen sind eine wichtige Grundlage des Handelns von Lebewesen. Das gilt für Hunde nicht weniger als für Menschen und andere Tiere. Der Entzug dieser Erfahrungen in der Jugendentwicklung kann katastrophale Folgen haben.

Bereits im frühen Welpenalter beginnen die Erfahrungen für das Leben mit der Prägung auf die Artgenossen und im Fall des Hundes eben auch auf Menschen. Hunde, denen diese Prägung als frühe Lebenserfahrung vorenthalten wurde, bekommen lebenslänglich ein Problem im Verhältnis zu anderen Hunden. Meistens jedoch zu anderen Menschen, weil diese Prägung in den leider immer noch verbreiteten Massenzuchten mehr versäumt wird als die Prägung auf die Artgenossen. Diese wird schon durch die Mutterhündin vollzogen.

Natürlich ist das nur die erste Phase. Die Erfahrung der Umwelt, die über das Wurflager und die direkte Umgebung in der aller ersten Welpenphase hinausgeht, ist nicht weniger wichtig. Dazu gehören diverse Dinge, die zur Außenwelt dazugehören. Das sind in der heutigen Zeit zum Beispiel vorbeifahrende Autos, der allgemeine Lärm in diesen Zeiten, möglicherweise auch Autofahren, das Draußensein in Wald, Feld und Stadt. Eben alles, was die Umwelt des Hundes später ausmachen könnte. Natürlich dürfen die Erfahrungen und die Fülle neuer Eindrücke immer nur passend zum Alter, Entwicklungsstand und der Aufnahmefähigkeit des Junghundes zunehmen. Sonst geht die Sache schlecht aus und die Erfahrung der Überforderung macht alle an sich positiven Bemühungen zunichte.

Gerade während der Sozialisierungsphase und der gesamten Jugendentwicklung letztendlich ist es für den Hund lebenslänglich ein Problem, wenn ihm die Erfahrungen mit anderen Hunden, Menschen und allen Reizen der Umgebung vorenthalten sind. Er ist damit um wichtige Grundlagen für sein ganzes Leben betrogen. Und natürlich entwickeln sich die Probleme nicht nur für den Hund selbst, sondern auch für die Menschen, die ihn in ihre Familie aufnehmen werden.

Die Aufzucht in einer reizlosen oder reizarmen Umgebung ist also letztlich ein Verbrechen gegen das Tier. Was entsteht sind Problematiken zwischen Angst, Aggression, Überreaktion, Desinteresse, Apathie, Lernunfähigkeit, Stereotypien, Unfähigkeit, ein normales Verhältnis zu anderen Hunden oder zu Menschen zu finden, und Weiteres.

Die Probleme, die für Hunde und Hundehalter erwachsen, wenn diese wichtigen Erfahrungen zur jeweils richtigen Altersphase versäumt wurden, sind später nur sehr schwer rückgängig zu machen. In vielen Fällen gelingt das nicht oder nicht vollständig.

Daraus folgt für die Anschaffung eines Hundes, dass man sich einen Züchter genau ansehen muss. D.h. in erster Linie die Haltungsbedingungen und die Möglichkeiten der Welpen einen Grundschatz am Erfahrungen bereits im Alter von wenigen Wochen mitzubringen. Es gibt Züchter, die ihre Welpen relativ reizarm im Haus, im Zwinger und in einem abgetrennten Stück Garten halten. Es gibt aber auch Züchter, die ihren Welpen eine abwechslungsreiche reich strukturierte Spiellandschaft aufbauen. Die Ihnen auch sonst jede Menge Erfahrungen verschaffen und die auch beurteilen können, wann es den Welpen zu viel wird, etwas Neues zu sehen und wieweit sie bereits mit neuen Dingen außerhalb des Hauses bekannt gemacht werden können.

Für Hunde, die einer bestimmten Aufgabe gerecht werden sollen, ist es natürlich von großem Vorteil, wenn sie bereits frühzeitig mit grundlegenden Dingen ihres späteren Lebens vertraut werden, wie etwa Hütehunde mit Schafen usw.

Wer einen Hund aus dem Tierheim holt, weiß natürlich nicht welche Erfahrungen der in seinem bisherigen Leben hat sammeln können oder müssen. Es kann also sein, dass der Hund ein paar Schwierigkeiten mitbringt, die man mit einem anderen vielleicht nicht hätte. Trotzdem möchte ich jeden darin bestärken, einen Tierheimhund zu sich zu nehmen. Denn auf der anderen Seite entsteht durch das Lösen der Schwierigkeiten oft ein besonders enges Band zwischen Hund und Mensch. Und wer so ein Tier in eine bessere Umgebung holt, erweist sich damit auch als ein wahrer Tierfreund!

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