Hunde-ABC: Begriffe rund um Hunde

Eine Sammlung von Worten nicht nur direkt um Hunde

Vermenschlichung



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Vermenschlichung ist ein ziemlich schwieriges Kapitel im Verhältnis von Menschen und Hunden. Denn schon die Definition verursacht Probleme.

[ad#160×600-rechts-text]Was genau soll man denn als Vermenschlichung bezeichnen? Grundsätzlich bedeutet das Wort ja, dass man menschliche Reaktionen auf Tiere überträgt. Diese Übertragungen können sowohl dem psychisch/geistigen als auch dem körperlichen Bereich zuzuschreiben sein.

Körperlicher Natur wären etwa Empfindungen des Wohlbefindens, vielleicht aufgrund von Wärme und Gemütlichkeit. Fühlt sich ein Hund wirklich dann am wohlsten, wenn der Mensch meint, sich wohl fühlen zu können? Mit Sicherheit haben Hunde und Menschen darüber oft unterschiedliche Ansichten. Und ebenso mit Sicherheit haben Hunde ganz unterschiedlicher Herkunft auch noch unterschiedliche Bedürfnisse. Diese unterschiedlichen Bedürfnisse werden noch einmal ein Stück unterschiedlicher durch die Lebensumstände, unter denen die jeweiligen Hunde leben. Ein Hund, der gewohnt ist draußen zu sein, wird ein vollkommen anderes Wärmeempfinden entwickeln, als ein Hund, der monatelang oder länger in beheizten Räumen gehalten wurde, auch dann wenn sie beide derselben Rasse angehören. Sich in diese Unterschiede hineinzudenken dürfte noch einigermaßen machbar sein, denn dazu reicht sicher unvoreingenommenes Nachdenken auch ohne allzu spezielle Kenntnisse über Hunde aus.

Aber das, was sicher oft fehlinterpretiert wird, sind Dinge, die mit dem Verhalten des Hundes und des Menschen zusammenhängen.

Mit absoluter Sicherheit gibt es doch Parallelen, besser gesagt mindestens Ähnlichkeiten und in manchen Dingen vielleicht sogar beinahe Gleichheiten darin, was die Empfindungen des Lebens angeht. Es gibt Leute, die behaupten, dass Tiere so etwas wie ein Glücksgefühl oder Trauer nicht kennen und nicht empfinden können.

Jeder, der über längere Zeit intensiv mit Tieren zusammengelebt hat, kann bestätigen, dass solche Ansichten vollkommen absurd sind. Selbstverständlich kann ein Hund Freunde, ein Glücksgefühl also, oder Trauer empfinden. Ein Hund kann sehnsüchtig warten und er kann bitter enttäuscht sein. Hunde sind also dazu in der Lage, emotional zu reagieren. Das ist zweifelsfrei eine Gemeinsamkeit mit uns.

[ad#160×600-links]Trotzdem werden Reaktionen von Tieren oft und nicht ohne Grund fehlinterpretiert. In manchen Fällen ist es schwierig, eine klare Grenze zu ziehen zwischen der Vermenschlichung und den Gemeinsamkeiten, die man als Säugetier zu einem anderen Säugetier eben hat. Erst kürzlich habe ich in dem Artikel über das Stichwort Xmas so etwas erwähnt. Ein anderes Beispiel sieht man zum Beispiel dann, wenn Leute ihre Hunde einkleiden, um ihnen ein pfiffiges und modisches Outfit zu verpassen. Das geht an den Bedürfnissen des Tieres natürlich voll vorbei, etwas anderes wäre es, wenn der Grund des Anziehens etwa ein mangelhaftes Fell ist oder der Schutz der Pfoten. Es gibt auch Hundehalter, die ihren Tieren erlauben, im Bett zu schlafen. Mal abgesehen davon, dass hier ganz bestimmt ernsthafte hygienische Bedenken angebracht sind, bekommt der Hund dadurch einen Status im gegenseitigen Verhältnis, der die Erziehung des Hundes zu einem zuverlässigen Begleiter von vornherein infrage stellt. Denn der Ranghöhere im ursprünglichen Hunderudel nimmt grundsätzlich den höher gelegenen Ruheplatz ein und gestattet seinen im Rang unter ihm stehenden Rudelmitgliedern nicht, diesen mit ihm zu teilen. Das, was da einige als Anlehnungsbedürftigkeit oder Ausdruck der Zusammengehörigkeit ansehen, wirkt sich in Wahrheit so aus, dass der Hund in seinem Empfinden einen Rang bekommt, der ihm in keiner Weise zusteht. Es ließen sich natürlich weitere Beispiele anführen, aber ich meine als Denkanstoß genügt das gesagte bereits. Es ist also wichtig, das eigene Verhalten im Umgang mit dem Hund immer wieder mit dem zu vergleichen, was heute über das hundliche Verhalten bekannt ist. Nur dann kann man das eigene Vorgehen artgerecht und zielführend gestalten.

Rationalität geht vor Sentimentalität. Gerade als Tierhalter darf man sich nicht erlauben, diesen Grundsatz zu vergessen. Denn sonst tut man das Gegenteil dessen, was man eigentlich tun möchte: man kann seinem Tier dann nicht mehr gerecht werden und führt Situationen und Verhaltensweisen herbei, die über kurz oder lang große Probleme nach sich ziehen können.

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